Andi Luf - Rezensionen & Medienkritik

Friedshofstribünen-Besucher und andere Romanleser

#literatur #fußball    (von Martin Blumenau FM4)

Andi Luf ist ein netter Mann. Er schickt mir seit Wochen Einladungen zu Lesungen und anderen Events. Er hat mir auch sein Buch geschickt. "Sixpack" heisst es und es ist ein Fußball-Buch, ein Fußball-Roman.

Ich bin einigermaßen oft Anlaufstelle für Fußball-Bücher aller Art, weil - schnittmengentechnisch - höchstmögliche Übereinstimmung gesichtet wird. Die Realität sieht bescheidener aus: wohl weil ich Fußball so liebe, bin ich wohl zu streng mit vielen Publikationen.

Lufs "Sixpack" fällt ab der ersten Zeile in den Duktus eines Ostbahn-Kurti-Songs. Sein Protagonist ist ein klassischer Vorstadt-Loser auf der Suche nach einer Möglichkeit und einer Frau; er ist Sportklub-Fan, Friedhofstribünengeher und Taugenichts im guten Sinn. Das ist ein Charakter aus jener Wiener Welt, wie sie Günter Brödl seit den 70ern beschrieben hat; Brödl war ja der Textdichter des Ostbahn-Projekts. Und seine Romane zeichnen einen Kosmos, wie ihn auch Luf hinstellt.

Ich habe da Schwierigkeiten, weil ich ja weiß, dass das einigermaßen her ist, Brödl ist ja 2000 gestorben, weil sich dadurch ein Gefühl von Heutigkeit schwerer einstellen mag.

Wobei: vielleicht ist da, in der Vorstadt, ja echt einiges stehengeblieben.

Ich habe auch Schwierigkeiten mit Lufs druchgehender Kleinschreibe. Ja, in der kleinen Form, bei ganz ganz frühen Journalen und heute in einigen Mails tu ich das auch. Weil's gut aussieht, diese Gleichmacherei. In dem Moment aber, wo der Textfluss dann Ausmaße der Flüsse klassischer neuer Autoren (Jelinek abwärts) annimmt, ist das, finde ich, zu unterlassen. Einem Text, der Leichtigkeit braucht, durch dieses Stilmittel Schwere mitzugeben, das nachvollzieh ich nicht.

Ich hab also ein paar Probleme mit "Sixpack". Über die werden aber Menschen, die sich auch auf den kleineren Wiener Fußball-Plätzen herumtreiben, hinwegsehen, weil dieser Roman diese ihre Welt beschreibt und sich auch den Fragen von Leben, Liebe und Tod stellt.

Andreas Luf ist ein freundlicher Mann. Sein Roman "Sixpack" ist das nicht, freundlich, das wäre auch unziemlich. "Sixpack" ist ein fröstelnder Ausschnitt aus einer Entwicklung. Und Fußball passiert auch.

http://fm4.orf.at/stories/1727057/