Andi Luf - Rezensionen & Medienkritik

Manchmal riecht die Stadt wie eine riesige Extrawurstsemmel

Christian Orou, Jugend- &  Stadtteilzentrum c2g, in den Alszeilen Nr. 06 v. 25.10.2013 (Stadionzeitung)

Ein arbeitsloser Chauffeur teilt sich mit einem Autoskeptiker eine Wohnung, die vom Balkon bis zum Badezimmer mit Gerümpel vollgestopft ist. Das ist die Ausgangssituation, aus der Andi Luf die Story seines ersten Romans entwickelt.

Es ist die Geschichte von Herrn Türbrenner. Neben seiner oft erfolglosen Suche nach Gelegenheitsjobs existiert in seinem Leben nur ein Thema: Fußball. Als Groundhopper reist er quer durch Österreich. In welcher Liga das Spiel stattfindet, ist ihm egal. Die Hauptsache ist, es wird gespielt. Doch sein Leben ändert sich, als er Andrea begegnet. Zwei Welten prallen aufeinander: die von einer Beziehungskrise erschütterte heile Welt der TV-Redakteurin trifft auf jene des liebenswerten Chaoten. Langsam entwickelt sich über alle Grenzen hinweg eine zarte Romanze.

Andi Luf schreibt seinen Roman in oft, kargen, schmucklosen Sätzen. Ein Stil, der das triste Leben seiner Hauptfigur unterstreicht. Kein Job, kein Geld, keine Freundin. In einer Art Road-Movie treibt Herr Türbrenner durch Wien, manchmal begleitet von seinem Mitbewohner und dessen Hund, immer auf der Suche nach Beschäftigung, nach Arbeit, nach Anerkennung. Dabei verbringt er viel Zeit mit verschiedenen Menschen vom Sportclubplatz. Manchmal liest sich das Buch wie eine Gebrauchsanweisung für die Friedhofstribüne. Entlang dieser Story biegt der Autor oft ab, erzählt eine Vielzahl an kleinen Geschichten, hält in Parks und Lokalen, erzählt von Möbelpackern und Parkbankanarchisten. Bevölkert werden diese Geschichten bis auf wenige Ausnahmen von Menschen, die nicht unbedingt der Norm, dem Durchschnittsbürger, entsprechen. Der Autor hat ein Herz für Außenseiter und deren Leben, die er in sixpack liebevoll nachzeichnet.

Die Kulisse für den Roman bildet das Friedhofstribünenuniversum. In der Haupt- und Entschuldbar treiben sich neben dem Hauptdarsteller viele Stammbesucherinnen und Stammbesucher der FHT herum. Wenn die alle dem Autor ein Exemplar von sixpack abkaufen, kann Andi Luf schon bald an eine zweite Auflage denken.

Mit sixpack ist ihm ein stimmiger, sich manchmal im Detail verlierender, alles in allem aber spannend zu lesender Romanerstling gelungen.